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Zahnimplantat: Welche Vorteile bietet die Methode der Sofortimplantation und für wen kommt sie infrage?

Oh Schreck, der Zahn muss weg! Was jetzt? Die Restauration des Gebisses und die Wiederherstellung der vollen Belastbarkeit innerhalb möglichst kurzer Zeit sind bei Zahnverlust die primären Patientenwünsche. Dies gilt umso mehr, wenn es sich um den Frontzahnbereich handelt. Denn hier geht es nicht nur um Funktion – es kommt ein hoher Anspruch an die Ästhetik hinzu. Eine Sofortimplantation mit unmittelbarer provisorischer Versorgung kann hier die optimale Lösung sein. 

Was genau ist eine Sofortimplantation?

Sofortimplantation bedeutet: Sofort nachdem beim Patienten ein natürlicher Zahn entfernt wird, wird an der Stelle ein Implantat – eine künstliche Zahnwurzel – in den Kieferknochen eingesetzt, wo es die Funktion der Zahnwurzel übernimmt. Das Implantat selbst wird auch als „Sofortimplantat“ bezeichnet. In diesem Zusammenhang gibt es noch den Begriff „Sofortversorgung“. Davon spricht man, wenn auf dem Implantat unmittelbar nach dem Einsetzen eine Krone oder Prothese befestigt wird. Der aufgebrachte Zahnersatz ist meist provisorisch und kann in den ersten Wochen nach der Implantation nicht voll belastet werden. Es gibt jedoch auch Behandlungskonzepte, bei denen eine Belastung durch Kauen unmittelbar nach dem Anbringen des Zahnersatzes auf dem Zahnimplantat möglich ist – die sogenannte „Sofortbelastung“. Diese Methode findet vor allem bei Behandlungen Anwendung, bei denen mehrere Implantate im Kiefer eingesetzt und mit einem kompletten Kronenblock verbunden werden. Mehr Informationen zum Thema Zahnimplantat im Allgemeinen finden Sie hier.

Die wichtigsten Kriterien für Sofortversorgung und Sofortbelastung

Ob ein Zahnimplantat sofort nach der Implantation mit einem Provisorium versorgt werden kann und ob eine Sofortbelastung des implantatgetragenen Zahnersatzes möglich ist, hängt in erster Linie von der Stabilität des Implantates im Kieferknochen ab – der sogenannten Primärstabilität. Denn je höher die Primärstabilität ist, desto optimaler verläuft die Einheilung des Implantats (Osseointegration) im Kiefer. Die Primärstabilität hängt wiederum vom Knochenangebot und der Knochenqualität ab. Doch auch modernste zahnmedizinische Techniken tragen dazu bei, dass eine sehr hohe Primärstabilität erreicht wird. So sind Sofort-Implantatsysteme konisch geformt und weisen eine besondere Schraubengeometrie auf. Der Implantologe kann die Primärstabilität beim Einsetzen eines Zahnimplantates mit einer Drehmomentratsche messen. Bei zu geringer Primärstabilität wird auf eine Sofortversorgung verzichtet, um jegliches Risiko einer nicht wunschgemäßen Einheilung zu vermeiden.

Was, wenn das Sofortimplantat nicht mit einem Kronenprovisorium versorgt werden kann?

Keine Sorge, dann heißt es nicht „Mut zur Lücke“. Wenn das Implantat erst nach der Einheilung mit dem eigentlichen Zahnersatz versorgt werden kann, so wird die Lücke temporär mit einer provisorischen Brücke geschlossen. Solche Provisorien, beispielsweise eine Marylandbrücke, werden an den Nachbarzähne befestigt ohne diese zu beschädigen und übernehmen eine kosmetische Funktion (den Lückenschluss). Sie sorgen zudem dafür, dass das Zahnimplantat nicht übermäßig belastet wird.

Die wichtigsten Voraussetzungen für eine Sofortimplantation?

Der Anteil der Sofortimplantationen nach einer Zahnentfernung liegt dank des rasanten Fortschritts in diesem zahnmedizinisch anspruchsvollen Bereich inzwischen bei ca. 50%. Wie oben bereits angeklungen, müssen jedoch gewisse Voraussetzungen erfüllt sein:

>> Weitgehende Entzündungsfreiheit
Das Zahnfach (Alveole) des Patienten muss überwiegend entzündungsfrei sein. Die Umgebung des zu entfernenden Zahnes darf also nicht unter einer akuten oder eitrigen Entzündung leiden. Eine akute Entzündungssituation muss vom Zahnarzt vor der Implantation so behandelt werden, dass ein chronischer Zustand erreicht wird. Dann kann eine Sofortimplantation geplant werden.

>> Ausreichendes Kieferknochenangebot
Eine weitere Voraussetzung betrifft den Kieferknochen: Es muss zum Zeitpunkt der Extraktion ausreichend stabiles Knochenmaterial vorhanden sein, um die oben beschriebene Primärstabilität des Implantates gewährleisten zu können. Da sich der Kieferknochen bei fehlenden Zähnen immer zurückbildet, sollte nach dem Verlust eines Zahnes also nicht zu lange bis zur Implantation gewartet werden. Je früher der fehlende Zahn durch ein Implantat ersetzt wird, desto geringer ist das Ausmaß des Knochen- und Gewebeverlustes. Wird sofort nach Zahnverlust implantiert, wird der Knochenverlust meist vollständig vermieden. In manchen Fällen kommt es auch dann zu einem Knochenrückgang, wenn ein Zahn zwar noch vorhanden, aber gelockert ist. Ist zahnmedizinisch geklärt, dass der Zahn langfristig nicht erhalten werden kann, sollte der Zeitpunkt der Extraktion deshalb nicht zu lange hinausgeschoben werden. Denn je mehr Knochen bereist verloren ist, desto aufwändiger wird die Behandlung, da ein Knochenaufbau erforderlich ist.

Die wichtigsten Kriterien gegen eine Sofortimplantation

Es gibt Situationen, die die Möglichkeit der Sofortimplantation nicht zulassen oder stark einschränken. Zu den wichtigsten Kontraindikationen zählen:

  • Eine extrem große Zahnwurzel
    Nach dem Entfernen des Zahnes kann die Lücke so groß sein, dass sie durch das Implantat nicht wieder komplett ausgefüllt wird. Hier muss in mehreren Behandlungsschritten vorgegangen werden. Meist erfolgt nach der Zahnentfernung erst ein Knochenaufbau und nach einigen Wochen dann die Implantation.
  • Fehlende Primärstabilität
    Beispielsweise wenn zu wenig umliegender Knochen vorhanden ist, aufgrund der Kieferhöhle oder der  Eröffnung der Kieferhöhle
  • Schlechtes Weichgewebe
    Beispielsweise wenig befestigtes Zahnfleisch, hier ist aufgrund der Ästhetik eine Weichgewebetransplantation notwendig
  • Fehlende äußere Knochenlamelle oder deutlicher Knochendefekt nach einer Entzündung der Wurzelspitze 
  • Nervnähe
  • Falsche Zahnposition 
  • Akute Infektion

Sofortimplantat und Sofortversorgung im Frontzahnbereich: Herausforderung und Vorteile

Bei Zahnbehandlungen im Frontzahnbereich sind die Erwartungen der Patienten an den Zahnarzt besonders hoch. Verständlich, denn wenn hier ein Zahn fehlt oder gezogen werden muss, dann soll die Restauration ein perfektes Ergebnis liefern. Die Ästhetik des Zahnersatzes und des umgebenden Zahnfleisches, die sogenannte rot-weiß Ästhetik, ist den Betroffenen genauso wichtig wie die Funktion. Schließlich haben die Frontzähne einen enorm starken Einfluss auf die Gesamterscheinung des Gesichts. Nicht nur die Optik des Zahnersatzes spielt hierbei eine enorm wichtige Rolle – auch der Übergang von Zahnfleisch zu Zahn (rot-weiß) ist für eine ausgeglichene stimmige Ästhetik ausschlaggebend. Zudem sollte die rot-weiß Ästhetik beim Zahnersatz genauso wirken wie bei den gesunden Nachbarzähnen, damit das Gesamtbild unauffällig und harmonisch bleibt.

Es gibt unterschiedliche Therapien, mit denen ein erfahrener Spezialist nach einer Implantatversorgung die optimale Zahnfleischästhetik herstellen kann. Lücken und dunkle Schatten im Bereich des neuen Zahnersatzes können beispielsweise mit einem Aufbau des Alveolarkamms (Zahnfleischaufbau) behoben werden. Die Maßnahme führt zu einer Verbesserung des Zahnfleischvolumens und zur Minderung dunkler Schatten. Sognannte Implantatschultern werden durch eine Zahnfleischverdickung (Gingivaverdickung) ästhetisch ausgeglichen. Hierzu wird ein Bindegewebetransplantat in die betroffene Geweberegion eingebracht. Neben dem ästhetischen Aspekt ist gesundes Gewebe auch ein wichtiges Kriterium für den langfristigen Erhalt der Implantate.

Eine Sofortimplantation und die anschließende Sofortversorgung mit einer implantatgetragenen Einzelzahnkrone ist deshalb im ästhetisch sensiblen Frontzahnbereich der Königsweg. Die Restauration erfolgt innerhalb kürzester Zeit, was eine geringstmögliche psychische Belastung bedeutet. Zudem hält ein Zahnimplantat bei guter Pflege meist ein Leben lang, was belastende zukünftige Folgebehandlungen überflüssig macht.

Eine feine Sache: Die Vorteile der Sofortimplantation für den Patienten

>> Vermeidung von Knochenabbau und Rezession der Weichgewebe
Wird der Zahn so gewebeschonend wie möglich entfernt und das Implantat sofort danach gesetzt, bleibt der Alveolarfortsatz – der Teil des Ober- und Unterkiefers, der die Zahnfächer (Alveolen) trägt – in der Regel erhalten. Die Knochenwunde, die nach Ziehen eines Zahnes entsteht, wird bei der Sofortimplantation direkt mit dem Implantat und bei Notwendigkeit mit Knochenmaterial oder Knochenersatzmaterial ausgefüllt. Der Verlust des wichtigen Knochenmaterials und der Weichgewebestrukturen werden dadurch vermieden. Zudem wird das umgebende Weichgewebe durch ein sofort aufgesetztes Provisorium in seiner Struktur geformt und erhalten.

>> Kurze Behandlungsdauer
Ein weiterer enormer Patientenvorteil: Die Behandlungsdauer wird stark verkürzt. Zahnentfernung, Implantation und die Implantaterstversorgung mit einer Krone erfolgen in einem einzigen Behandlungsschritt. Im Vergleich: bei der konventionellen Implantation erfolgt das Setzen erst nach Ausheilen der Wunde, die bei der Zahnentfernung entsteht. Dies nimmt ca. zwei Monate in Anspruch.

>> Deutlich geringeres Stressempfinden
Durch die kurze Behandlungsdauer wird der psychologische Stress beim Patienten wesentlich vermindert. Die wichtigsten Therapieschritte werden in nur einer Sitzung durchgeführt. Zudem lässt ein sofortiges Provisorium oder ein sofortiger fest sitzender Zahnersatz (wie etwa bei der Methode „Feste Dritte Zähne: Implantat-Zahnersatz an einem Tag“) die Lücke schnell vergessen.

Persönliche Betrachtungen – direkt aus der Praxis

In unserer auf Implantologie und Parodontologie spezialisierten Praxis in Gräfelfing bei München erfolgt ein großer Teil aller Zahnimplantationen mit der Methode der Sofortimplantation. Die Osseointegration (Einwachsen in den Kieferknochen) des Zahnimplantates ist bei Sofortimplantaten ebenso erfolgreich wie bei Spätimplantaten. Voraussetzung ist, dass eine sorgfältige Analyse der Gesamtsituation (Kieferknochen, Weichgewebe mit Zahnfleisch, Zahnfleischgesundheit, Primärstabilität etc.) von einem Spezialisten für Implantologie durchgeführt wird, auf deren Basis eine sichere Entscheidung gefällt werden kann.

Äußerst wichtig für den Langzeiterfolg ist die richtige Wahl des Implantatsystems. Zudem beeinflussen die Materialeigenschaften und die Konstruktionselemente der Aufbauteile die materialbedingte Langlebigkeit und die Biokompatibilität der Zahnkorrektur. Ein erfahrener Spezialist für Implantologie mit fortgeschrittenen implantologischen Fähigkeiten wird hier die perfekte Wahl für den Patienten treffen. Zusätzliche Sicherheit bieten innovative, hoch präzise Diagnosemethoden wie die bildgebende 3D Diagnostik und die computerunterstützte Implantatplanung.

Neben den vielen generellen Vorzügen von Zahnimplantaten wartet das Sofortimplantat mit zusätzlichen Vorteilen auf. Wenn sie infrage kommt, ist sie deshalb ohne Zweifel die ideale Lösung für den Patienten – nicht nur im Frontzahnbereich.

Auch wenn es bei Ihnen heißt „Oh Schreck, der Zahn muss weg“: Sie können sich auf einen Zahnersatz freuen, der in Funktion und Ästhetik den natürlichen Zähnen in nichts nachsteht. Und der meist ein ganzes Leben lang hält.

Ihr Dr. Marc Hinze

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