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Zahnerosion: Zahnsubstanz geht durch Säureattacken verloren: Wirkung von Getränken, Nahrungsmitteln und Magensäure

Der Zahn der Zeit: er kann ganze Berge abtragen. Ähnlich verhält es sich mit unseren Zähnen, auch sie können langsam aber stetig an Substanz verlieren – durch unzählige Säureattacken. Dafür reichen sogar schon ein paar Jahre aus. In der Zahnmedizin wird der durch unterschiedliche Säureeinwirkungen verursachte Verlust von Zahnsubstanz (Zahnschmelz und Dentin) als Zahnerosion bezeichnet. Die schädigenden Säuren kommen direkt mit den Zähnen in Kontakt und stammen beispielsweise aus Getränken, Nahrungsmitteln oder aus dem Magen. Da die Zahnerosion ein schleichender und lange Zeit schmerzfreier Prozess ist, wird die Erosion von den meisten gar nicht bemerkt – obgleich etwa ein Drittel der Bevölkerung betroffen ist.

Sauer macht lustig? Aber nicht Ihre Zähne!

Zahnschmelz und freiliegendes Dentin werden von Säuren angegriffen und langsam aufgelöst. Am stärksten sind die dem Gaumen zugewandte Flächen der Vorderzähne des Oberkiefers sowie die Kaufläche der Seitenzähne betroffen. Mit der Zeit wird der Zahnschmelz transparenter – das gelbliche Dentin scheint immer stärker durch den Schmelz hindurch. Die Zähne werden außerdem empfindlicher. Eine Zahnerosion ist nicht mehr rückgängig zu machen, weshalb präventiven Maßnahmen eine immense Bedeutung zukommt.

Bewusstsein schärfen: So viel Säure enthält unsere Nahrung – und unser Körper

Die Herkunft der schädigenden Säuren lässt sich in zwei Kategorien unterteilen: die exogenen und die endogenen Ursachen. Exogene Säuren (extrinsischer Ursprung) führen wir dem Körper von außen zu, am häufigsten über säurehaltige Getränke und Nahrungsmittel. Während die Säuren den Zahn angreifen, regen sie zum anderen auch die Speichelproduktion an, was eine gewisse ausgleichende Wirkung hat, da der Speichel die Säuren verdünnt, neutralisiert und einen schnelleren Abtransport begünstigt. Auch sorgt der Speichel für die Remineralisierung der Zähne.

Als endogene Ursache (intrinsischer Ursprung) wird die Salzsäure des Magensafts (Magensäure) bezeichnet, die auf unterschiedliche Weise in die Mundhöhle gelangt. Dies ist bei Betroffenen der Refluxkrankheit der Fall, dem häufigen sauren Aufstoßen. Auch beim Erbrechen gelangt die Salzsäure des Magens in die Mundhöhle und kommt mit den Zähnen in Berührung. Bei chronischem Erbrechen aufgrund einer psychischen Essstörung wie Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa (Bulimie) sind die Säureattacken besonders häufig, weshalb die Betroffenen oftmals unter starken erosiven Veränderungen der Zähne leiden. 

Neben den exogenen und endogenen Ursachen kann die Zahnerosion auch durch eine verminderte Speichelproduktion verursacht werden, die meist durch Krankheiten, Medikamente oder Drogen ausgelöst wird. Die Funktion der Remineralisierung des Speichels fällt aus und die Säure kann umso stärker wirken.

Die wichtigsten zahnschädigenden Säuren und ihre Quellen:

Säurehaltige Getränke und Nahrungsmittel

  • Fruchtsäfte, Cola, Limonaden
  • Energy-Drinks, Isotonische Getränke (sogenannte Sportlergetränke)
  • Früchtetee, Eistee
  • Wein, insbesondere Weißwein
  • Obst (Fruchtsäure), insbesondere Zitrusfrüchte
  • Essig und Milchsäuren, auch in Sauerkraut, essighaltigen Salatdressings, Sauermilchprodukten etc.
  • Saure Naschereien, wie saure Weingummis, Bonbons etc. 

Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel

  • Acetylsalicylsäure
  • Eisenpräparate

Magensäure

  • Refluxerkrankung („Sodbrennen“, saures Aufstoßen)
  • Chronisches Erbrechen, als Nebenwirkung von Medikamenten
  • Essstörungen mit chronischem Erbrechen, wie Bulimie oder Magersucht
  • Alkoholkrankheit

Speichelmangel

  • Bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme, wie Psychopharmaka, Antiemetika, Anticholinergika, Antihistaminika, Parkinsonmedikamente
  • Drogenkonsum (vor allem Crystal-Meth, „Meth-Mund“)
  • Sjögren-Syndrom (chronische, entzündliche Autoimmunerkrankung)
  • Bestrahlungen im Bereich von Kopf und Hals

Total gesund – mit saurer Note: unsere moderne Ernährung 

Es mutet widersprüchlich an, ist aber durchaus einen Gedanken wert, zumal wir in unserer Implantatpraxis nahe München die negativen Folgen schon erlebt haben: Zum modernen Lebensstil gehört für viele Menschen eine bestimmte Ernährungsweise – ausgewogen, gesund und leicht soll es sein. Deshalb wird häufig sehr viel Salat mit leichten essighaltigen Salatsaucen und viel Obst konsumiert. Doch gerade diese für den Körper gesunden Nahrungsmittel haben oft einen hohen Säuregehalt. Für unsere Zähne sind sie also gar nicht so gesund. So zeigen wissenschaftliche Studien beispielsweise, dass säurebedingte Zahnhartsubstanzverluste besonders oft bei Patienten diagnostiziert werden, die übermäßig viel Obst essen. Natürlich raten wir nicht zu einer ungesunden Ernährung, Sie sollten sich diesen Zusammenhang einfach bewusst machen. Letztendlich gilt auch hier, wie so oft: Die Menge macht’s.

Der Zahn der Zeit: So äußert sich die Zahnerosion in ihrem Verlauf

Wie bereits erwähnt, verursacht die Zahnerosion zunächst keine Beschwerden – und auch die äußeren Anzeichen sind von den Betroffenen kaum erkennbar. Es kommt anfangs zu einem oberflächlichen Zahnschmelzverlust sowie zum Verlust des natürlichen Oberflächenglanzes – der Zahnschmelz erscheint glatt und matt. Eine deutliche Farbveränderung tritt jedoch noch nicht auf. Erst wenn die Erosion aufgrund anhaltender Säureexposition ungehindert fortschreitet, wird der Defekt am Zahnschmelz sichtbar und führt zu erkennbaren gelblichen Farbveränderungen. Der Zahnschmelz wird so dünn, dass das dunkle Zahnbein durchscheint. Zudem tritt häufig eine Überempfindlichkeit an den Zähnen auf. Im weiteren Verlauf wird auch das Dentin durch laufende Säureattacken geschädigt. Oft werden die Zahnhöcker flacher, in schweren Fällen kommt es zum Abbau des Höcker-Fissuren-Reliefs. Da bestehende Zahnfüllungen durch die Säureattacken nicht aufgelöst werden, sind auch überstehende Füllungsränder zu beobachten. Bei sehr schweren Schädigungen mit starkem Abbau des Dentins kann sogar eine Restauration mit Füllungen, Teilkronen oder Kronen unausweichlich sein.

Der Patient kann in der Regel nicht selbst erkennen und beurteilen, ob eine Erosion vorliegt und in welcher Intensität. Da Zahnerosionen leider irreversibel sind, raten wir unseren Patienten dringend zu regelmäßigen Kontrollen beim Zahnarzt, um eine beginnende Zahnerosion rechtzeitig diagnostizieren zu können. 

Vorsicht ist besser als Nachsicht: Zahnerosion vermeiden!

Nun, es ist so simpel wie wirksam: Da die Erosion durch den direkten Kontakt der Säuren mit den Zähnen verursacht wird, lautet die beste Empfehlung zur Prävention: Vermeiden Sie, dass zahnschädigende Säuren in Berührung mit Ihren Zähnen kommen. Vollständig wird das nicht gelingen, doch hier einige Empfehlungen:

Auf was Sie bei der Ernährung achten sollten: Versuchen Sie, den Säurekontakt niedrig zu halten. Zum Beispiel durch den bewussten, nicht zu häufigen Konsum säurehaltiger Nahrungsmittel und Getränke. Auch kleine Maßnahmen können einen großen Effekt haben. So sind säurehaltige Getränke für die Zähne weniger schädlich, wenn sie mit einem Strohhalm getrunken werden. Zudem sollte der Konsum auf kurze Zeiten beschränkt werden. Genießen Sie lieber ein Glas in kurzer Zeit oder zum Essen anstatt den ganzen Tag über immer wieder einen Schluck zu trinken. Dasselbe gilt auch für Obst – lieber eine Orange auf einmal, als immer wieder einen Schnitz.

Eine ausgleichende Wirkung haben auch zuckerfreie und säurearme Getränke, wie Wasser oder Tee (kein Schwarztee!) sowie calciumhaltige und phosphathaltige Lebensmittel, wie Käse oder Milch.

Mundhygiene und Zahnpflege: Anbieter von Mundhygieneprodukten preisen häufig spezielle Zahnpasten oder Zahnspülungen zum Schutz vor Zahnerosion an. Doch deren Wirkung konnte in wissenschaftlichen Studien bisher nicht nachgewiesen werden, sie haben in Tests nicht effektiver abgeschnitten als herkömmliche Produkte.

Was jedoch sicher ist: Zahnpasten bieten generell einen gewissen Schutz gegen erosive Demineralisation. In der Regel verwenden die von Erosionen betroffenen Patienten bereits eine handelsübliche Fluoridzahnpasta – es sind also weitere ergänzende Maßnahmen nötig. In wissenschaftlichen Tests haben sich Spüllösungen mit Zinn und Fluorid als besonders wirksam erwiesen. Ein vielversprechender Ansatz ist die Kombination von Zinn, Fluorid und einem Biopolymer. Mehr dazu

Die Empfehlung, die Zähne nicht mit zu harten Zahnbürsten und zu hohem Putzdruck zu reinigen, gilt grundsätzlich immer, denn harte Borsten und hoher Druck können den Zahnschmelz auf Dauer schädigen.

Speichel: Der Speichel erfüllt eine wichtige Schutzfunktion und trägt zur natürlichen Remineralisierung bei – ein geringer Speichelfluss erhöht das Erosionsrisiko. Deshalb sollten Menschen mit geringer Speichelmenge dafür sorgen, dass eine ausreichende Speichelsituation erreicht wird. Wieviel Speichel ausreichend ist und ob die Zusammensetzung ideal ist, kann Ihr Zahnarzt feststellen und Sie gegebenenfalls hinsichtlich einer Optimierung beraten. Eine gewisse Stimulierung des Speichelflusses gelingt häufig auch durch bewusstes längeres Kauen. Hier kann auch das Kauen eines zuckerfreien Kaugummis Unterstützung leisten, man sollen es damit jedoch nicht übertreiben, da Kaugummikauen einen hohen Druck auf die Kauflächen ausübt, was wiederum schlecht für die Zähne ist.

Zeitpunkt des Zähneputzens: Nach dem Verzehr saurer Speisen, auch nach Obst wie Äpfeln, Orangen oder Mandarinen, sollte man etwa eine halbe Stunde warten bevor man sich die Zähne putzt.

Besonderes Augenmerk auf Jugendliche und junge Erwachsene  

Trotz der vielen möglichen genannten Ursachen bleibt auch zu sagen, dass die Erosion der Zähne bis zu einem gewissen Grad als natürliche und unvermeidbare Abnutzung zu werten ist. Dennoch sollte jeder das Mögliche tun, sich vor übermäßiger Zahnerosion zu schützen.

Treten bereits bei jungen Menschen stärkere Erosionen mit Dentinexposition auf, ist der Substanzverlust sehr wohl als Krankheitsbild zu sehen. Schädigungen an der Zahnhartsubstanz durch Säureeinwirkungen dürfen deshalb gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht ignoriert werden. Mithilfe von Gesprächen und Ernährungstagebüchern kann festgestellt werden, worin die schädigenden Säuren enthalten sind. Liegt die Herkunft in der Ernährung, so können entsprechende Ernährungsempfehlungen gegeben werden, durch deren Einhaltung die Erosion eingedämmt wird.

In jedem Fall  und allen Patienten geben wir den gut gemeinten Rat, regelmäßig zum Zahnarzt zu gehen und die empfohlenen Kontrolluntersuchungen durchführen zu lassen. Auch bei der Professionellen Zahnreinigung kann die Dentalhygienikerin eine Erosion feststellen. Je früher eine Zahnerosion diagnostiziert wird, desto mehr Zahnsubstanz lässt sich durch eine Veränderung der Essgewohnheiten und entsprechende Mundhygiene retten.   

Ihr Dr. Marc Hinze

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