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Die 10 häufigsten Fragen zu Parodontitis (Parodontose) und der Parodontitis-Therapie

1. Was genau versteht man unter Parodontitis?

Die Parodontitis ist eine Erkrankung des Zahnhalteapparates – in der Umgangssprache ist dafür auch der Begriff Parodontose gängig. Genauer gesagt ist die Parodontitis eine chronische Entzündung des Zahnfleisches, verbunden mit dem langsamen Abbau des Kieferknochens, der den betroffenen Zahn umgibt. Parodontitis betrifft den gesamten Zahnhalteapparat (Parodont): Zahnfleisch, Zahnhals, Kieferknochen, Wurzelzement und Wurzelhaut (Desmodont). Wird die Erkrankung nicht behandelt, kann es zur Lockerung der Zähne und schließlich zu Zahnverlust kommen. Parodontitis ist die häufigste Ursache für Zahnverlust im Erwachsenenalter. Da nahezu jeder Erwachsene davon betroffen ist, spricht man auch von einer Volkskrankheit.

2. Wie entsteht Parodontitis und wie entwickelt sie sich?

Parodontitis wird durch eine Infektion mit Bakterien verursacht, die sich auf den Zähnen ablagern und vermehren, insbesondere im Bereich des Zahnfleischsaumes. Die Bakterien produzieren schädliche Stoffwechselprodukte, die die Entzündung des Zahnfleisches zur Folge haben. In diesem Stadium spricht man in der Zahnmedizin von Gingivitis. Es kommt zur Schwellung und Rötung des Zahnfleisches oder es zieht sich zurück – und zwischen Zahn und Zahnfleisch entstehen Zahnfleischtaschen, in denen sich bakterielle Plaque ungestört bilden kann, da die tiefen Taschen mit der Zahnbürste nicht erreichbar sind. Wenn diese Ablagerungen nicht entfernt werden, verhärten sie: Zahnstein entsteht. Hält die Gingivitis lange an, greift sie auf Kieferknochen, Wurzelhaut und Wurzelzement über – eine Parodontitis entsteht. Die Wurzelhaut wird zerstört, der Knochen wird abgebaut, der Zahn lockert sich und kann ausfallen.

3. Was sind die Ursachen für die Entstehung einer Parodontitis?

Grundsätzlich muss eine Infektion mit Bakterien erfolgen. Oft sind mangelnde oder falsche Zahnpflege und Mundhygiene dafür verantwortlich. Zudem gibt es Risikofaktoren, die nicht unmittelbar mit dem Zahnhalteapparat in Verbindung stehen. Dazu zählen allgemeine Stoffwechselstörungen und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Störungen des Immunsystems (AIDS), Stress, unausgewogene Ernährung sowie erbliche Veranlagung. Und Rauchen ist der größte, selbst zu verantwortende, Risikofaktor.  

4. In welchem Alter tritt Parodontitis auf?

Kindern leiden äußerst selten unter Parodontitis. Doch bei Erwachsenen tritt sie sehr häufig auf –

sie ist die Hauptursache für Zahnverlust im Erwachsenenalter. Diagnostiziert wird Parodontitis meist bei Patienten in der Altersgruppe 40 bis 50 Jahre. Die Symptome sind unauffällig und zunächst weitgehend schmerzfrei – sie bieten den Betroffenen also häufig keinen Anlass, deswegen einen Zahnarzt oder Spezialisten für Parodontologie aufzusuchen. Infolgedessen wird die Krankheit oft erst spät erkannt. 

5. Wann sollte man zum Zahnarzt gehen?

Bereits im Anfangsstadium! Denn eine Früherkennung bietet die besten Heilungschancen. Die Parodontitis schreitet fast immer langsam voran, zu starken Schädigungen der Zähne kommt es erst nach längerer Erkrankung. Solche Schäden können durch eine frühe bzw. korrekte Diagnose und entsprechende Behandlung vermieden werden.

Erste Warnsignale der Parodontitis:

  • Zahnfleischbluten – bei der täglichen Zahnpflege oder spontan
  • Rötung und Schwellung des Zahnfleisches

Kommt es schon bei leichtem Druck zu Zahnfleischbluten, kann das ein Zeichen für eine beginnende Parodontitis sein – gehen Sie zum Zahnarzt oder zum Spezialisten für Parodontologie!

6. Welche Symptome treten bei einer Parodontitis auf?

Das erste Symptom einer Parodontitis ist fast immer eine Entzündung des Zahnfleisches – es ist gerötet und angeschwollen und es kommt bereits bei leichtem Druck zu Zahnfleischbluten. Das Zahnfleisch zieht sich zurück, die Zähne erscheinen dadurch länger und die Zahnhälse regieren auf heiße und kalte Reize sehr schmerzempfindlich. Es kommt zur Bildung von Zahnfleischtaschen, in denen sich weitere Bakterien und Konkremente absetzen und ausbreiten können. Auch der Mundgeruch verändert sich meist, er wirkt leicht süßlich. Dies kann ein Zeichen für eine bakterielle Infektion sein.

Zudem verändert sich das Zahnfleisch, es wird rot, ist weniger ebenmäßig als in gesundem Zustand und wirkt locker und schwammig. Auch Abszesse im Zahnfleisch können auftreten. Schreitet die Parodontitis weiter fort, lockern sich die Zähne, es kommt zu Eiterung und Zahnverlust.

Wichtig zu wissen: Eine Parodontitis kann einen negativen Einfluss auf die Allgemeingesundheit haben. Über einen längeren Zeitraum können Bakterien in die Blutbahn gelangen und weitere Entzündungen im Körper auslösen. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Parodontitis-Patienten ein deutlich erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko aufweisen und dass eine Parodontitis negative Auswirkungen auf den Verlauf von Schwangerschaften, Diabetes und Atemwegserkrankungen haben kann. Mehr zur Volkskrankheit Parodontitis.

7. Kann man die durch Parodontitis verlorengegangenen Zähne ersetzen?

Ja, auch bei Zahnverlust durch Parodontitis ist ein Zahnersatz möglich, in Form von Prothesen, Implantaten oder Brücken. Durch eine entsprechende Vorsorge und Behandlung der Erkrankung im Anfangsstadium lässt sich ein durch Parodontitis verursachter Zahnverlust jedoch meist verhindern. 

8. Wie wird eine Parodontitis diagnostiziert und ist die Untersuchung schmerzhaft?

Der Zahnarzt beurteilt den Zustand des Zahnfleisches und die Blutungsneigung. Die Tiefe der Zahnfleischtaschen wird schmerzfrei mit einer speziellen Sonde gemessen – sie wird vom Zahnfleischrand am Zahn entlang geführt, bis sie auf Widerstand stößt. Je nach Schweregrad der Erkrankung ist diese Diagnosemethode ausreichend für die Planung der optimalen Parodontitis-Therapie.

Durch einen Abstrich, der im Labor untersucht wird, können Art und Anzahl der Keime festgestellt werden, die den Mundraum besiedeln. Diese Methode wird meist bei hartnäckigen oder schnell fortschreitenden Erkrankungen angewendet. Durch einen mechanischen Test wird zudem die Zahnfestigkeit bestimmt.

Mögliche Kieferknochenentzündungen und Knochendefekte, wie Knochenschwund, sowie freiliegende Zahnhälse lassen sich außerdem mit Hilfe von Röntgenaufnahmen beurteilen. Zudem können mit Röntgenbildern auch Ablagerungen unter dem Zahnfleisch sowie überstehende Kronenränder erkannt werden. Die Röntgendiagnose unterstützt die Therapieplanung und zeigt auf, ob ein Zahn entfernt werden muss.

Zur Einordnung des Krankheitsfortschritts dient der Parodontale Screening Index (PSI): Die Erkrankung wird in 4 Phasen eingestuft. 0 bedeutet „gesund“, 4 steht für eine schwere Form der Parodontitis.

9. Wie kann man der Entstehung von Parodontitis vorbeugen?

Die gute Botschaft: Sie können selbst viel dafür tun, dass eine Parodontitis erst gar nicht entstehen bzw. nicht voranschreiten kann. Denn den besten Schutz bietet eine konsequente und sorgfältige Mundhygiene. Dazu zählt die häusliche Reinigung, die Sie korrekt ausführen sollten – mit der Zahnbürste und in den Zahnzwischenräumen mit Zahnseide und Zahnzwischenraumbürste. Gegebenfalls können Sie die Reinigung mit einer desinfizierenden Mundspülung unterstützen.

Zusätzlich sollten Zahnstein sowie Plaque im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung halbjährlich durch eine Dentalhygienikerin entfernt werden. Bei dieser Behandlung bekommen Sie auch Tipps und lernen Kniffe, wie Sie Ihre häusliche Pflege noch verbessern können.

Zudem können Sie mit einer vitaminreichen und ausgewogenen Ernährung Ihre Abwehrkräfte stärken und zur Gesunderhaltung Ihres Zahnbettes beitragen. Und sehr hilfreich ist es, wenn Raucher sich das Rauchen abgewöhnen.

10. Wie läuft die Behandlung einer Parodontitis ab?

Die Parodontitis-Therapie zielt im Wesentlichen auf die Beseitigung der Entzündung im zahntragenden Gewebe ab, um eine fortschreitende Gewebezerstörung, Zahnfleischschwund und Knochenabbau zu verhindern.

Im ersten Schritt erfolgt die antiinfektiöse Behandlung – die Zahnfleischtaschen werden sorgfältig gereinigt. Anschließend werden durch eine Tiefenreinigung (Wurzelglättung) die Bakterien entfernt. Diese Tiefenreinigung wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt und umfasst die Reinigung, Glättung und das Polieren der Wurzel. An der nun glatten Oberfläche kann ein Belag schlechter anhaften. Im Weiteren kann mit einer Laserbehandlung oder fotodynamischen Therapie eine zusätzliche desinfizierende Wirkung erreicht werden. Mit dieser Methode ist es möglich, auch winzige Bakterienreste zu entfernen und eine keimabtötende Wirkung zu erzielen, wodurch eine erneute Entzündungen verzögert oder verhindert werden kann. Liegt eine Besiedelung mit besonders aggressiven Bakterien vor, können Antibiotika gezielt eingesetzt werden, um sie zu eliminieren. Auch Probiotika können eine schonende Alternative sein. 

Der zweite Schritt umfasst die Korrektur der bereits entstandenen Defekte und Schäden. Hierzu kann ein operativer Eingriff oft sinnvoll sein. Mit unterschiedlichen Methoden kann das Gewebe zum Nachwachsen angeregt werden – Zahnhaltefasern, die Zahnbett und Zahnwurzel verbinden sowie Knochen können sich neu bilden. So lässt sich wieder ein stabiler Zustand erreichen – und Zahnverlust vermeiden.

Der dritte Schritt zielt darauf ab, die Behandlungserfolge zu erhalten und eine Neuinfektion zu verhindern. Hier ist die aktive Mitarbeit des Patienten gefordert. Von größter Bedeutung ist dabei eine regelmäßige Nachsorge und Kontrolle beim Zahnarzt – oftmals lebenslang.

Ihr Dr. Marc Hinze

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