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Behandlung von Parodontose und Parodontitis: Probiotika statt Antibiotika?!

Während im Kampf gegen Parodontitis seit Jahrzehnten häufig Antibiotika eingesetzt werden, wird der Ruf nach sanfteren Methoden aufgrund der möglichen negativen Aspekte von Antibiotika immer lauter. Und es gibt einen neuen vielversprechenden Ansatz: Probiotika. Wir entsteht Parondontitis, wann ist die Verabreichung von Antibiotika gerechtfertigt und wann kann ein Probiotikum eine gute Alternative sein? 

Ein schlechter Film mit Folgen: Biofilm! Die Ursache für Parodontitis

Die Ursache von Parodontitis sind Bakterien, die sich in Form von Zahnbelag (Biofilm) auf der Zahnoberfläche sowie an den Übergängen von Zähnen zu Zahnfleisch anlagern. Diese Bakterien und die von ihnen gebildeten Giftstoffe führen zu einer Entzündung des Zahnfleisches (Parodontose). Schreitet die Entzündung fort, so bilden sich Zahnfleischtaschen, in denen sich die Bakterien einnisten. Dort können sie nicht nur das Zahnfleisch, sondern auch die tieferen Schichten schädigen und zu einer Zerstörung des Kieferknochens führen. Dieser entzündliche Abbau des gesamten Zahnhalteapparates ist die eigentliche Parodontitis. Die Knochensubstanz wird abgebaut, wodurch die Zähne immer mehr an Halt verlieren und sich langsam lockern.

Begünstigt wird die Entstehung dieses Biofilms durch unterschiedliche Risikofaktoren wie mangelnde Zahnhygiene oder starkes Rauchen. Auch während der Schwangerschaft tritt Parodontitis häufiger auf, da sich der Hormonhaushalt stark verändert – und Parodontitis in der Schwangerschaft erhöht das Risiko für eine Fehlgeburt deutlich. Bei Zahnfleischproblemen während der Schwangerschaft können Probiotika der Entstehung von Zahnfleischerkrankungen vorbeugen bzw. das Bakterienmilieu im Mundraum positiv beeinflussen und gesund erhalten.

Wenn auf den Film der Alptraum folgt: Parodontitis kann zu Zahnverlust führen!

Wird die Parodontitis nicht behandelt, kann es zum Verlust der Zähne kommen. Tatsächlich ist Parodontitis bei Erwachsenen die Hauptursache für Zahnausfall. Häufige Begleiterscheinungen sind außerdem Mundgeruch, gerötetes und schmerzendes Zahnfleisch sowie Zahnfleischbluten. Und wussten Sie, dass die Bakterien neben dem Zahnhalteapparat auch die Allgemeingesundheit gefährden und das Immunsystem überlasten? Sie sehen: Die frühzeitige Behandlung der beginnenden Parodontitis ist enorm wichtig für den Zahnerhalt und die Gesundheit!

Die Parodontitis-Behandlung: In erster Linie ein Kampf gegen die Bakterien!

Wie bei anderen Entzündungen im Körper, ist auch die Entzündung des Zahnfleisches und des Kieferknochens eine Reaktion des Körpers auf den Bakterienbefall und den Zahnbelag in der Zahnfleischtasche. Folglich zielt die Behandlung von Parodontose und Parodontitis darauf ab, die schlechte Bakterienflora zu beseitigen. Die Zähne werden auch unter dem Zahnfleisch gereinigt, Zahnstein wird entfernt. Auf diese Weise, unterstützt durch sorgfältige und korrekte Reinigung der Zähne und der Zahnzwischenräume, lassen sich ca. 90% der Parodontalerkrankungen gut behandeln. Nur in schweren Fällen müssen chirurgische Maßnahmen angewendet werden.

Da es insbesondere bei schwerer Parodontitis immer wieder zu bakteriellen Rückbesiedlungen kommt, ist eine langfristige Nachsorge in Form von Kontrollen und Nachsorgemaßnahmen noch viele Monate nach Abschluss der eigentlichen Therapie notwendig. Man spricht hier von der unterstützenden Parodontaltherapie. Danach entscheidet die individuelle Situation über die zeitlichen Intervalle der weiteren Kontrollen.

Die Rolle von Antibiotika in der Parodontitis-Therapie: Ein Umdenken beginnt

Bei leichten Fällen von Parodontitis kann fast immer auf den Einsatz von Antibiotika verzichten werden – unser Immunsystem kann nach der Behandlung selbständig mit der Entzündung umgehen. Anders sieht es bei schweren Fällen und in aggressiven Phasen der Parodontitis aus – hier sind weitreichendere Maßnahmen notwendig, um die Erkrankung in den Griff zu bekommen. Auch hier sollte alles dafür getan werden, um eine dauerhafte Beseitigung der aggressiven Keime zu erreichen. Unterstützend werden häufig Antibiotika eingesetzt, um die Bakterien einzudämmen und deren Wiederansiedlung zu erschweren.

Dass die Einnahme von Antibiotika ernsthafte Nachteile haben kann, ist weitläufig bekannt. Dazu zählen Nebenwirkungen wie die Schädigung des Magen-Darm-Traktes. Besonders ernst zu nehmen ist die Bildung von Resistenzen gegen Krankheitserreger. Die Folge: Wird das Antibiotikum später zur Bekämpfung einer ernsthaften Erkrankung eingesetzt, so hat es keine Wirkung mehr. Deshalb wird die systematische Verabreichung von Antibiotika bei Parodontitis inzwischen von vielen Zahnmedizinern – und auch Patienten – eher kritisch angesehen.

Es lebe die Alternative: Probiotika sind lebende Mikroorganismen – mit sanfter Wirkung

Relativ neu in der zahnmedizinischen Therapie sind Probiotika. Eine allgemeine Definition beschreibt Probiotika als lebende Mikroorganismen, die dem Wirtsorganismus einen gesundheitlichen Nutzen bringen, falls sie in ausreichender Menge verabreicht werden. Die Mikroorganismen sind hauptsächlich Bakterien, Pilze spielen eher eine untergeordnete Rolle.

Jeder kennt den Begriff, auch aus der Werbung. Yakult und Co. sind der Inbegriff dieser wohlwollenden Mikrowesen, die sich im Darm ansiedeln und vermehren und die Darmflora des Menschen positiv beeinflussen. Was diese Probiotika im Darm leisten, das können spezielle Probiotika auch für die Mundflora tun – also dort, wo es bei der Parodontitis ankommt.

Der Probiotika-Ansatz ist also genau gegenläufig zu Antibiotika: Es wird nicht gegen die bösen Bakterien die Keule geschwungen. Stattdessen werden die natürlicherweise auf den Schleimhäuten vorkommenden Bakterien zur Gesundung des Zahnfleischs eingesetzt. Die „guten“ Mikroorganismen in den Probiotika treten in Konkurrenz mit den krankheitsverursachenden „bösen“ Bakterien und verdrängen diese idealerweise soweit, bis das natürliche Gleichgewicht wieder hergestellt ist. Die Probiotika senken den pH-Wert im Mund – die schädigenden Bakterien können sich nicht mehr vermehren. Zudem sorgen sie dafür, dass die Bildung der natürlichen Bakterienflora im Mund angeregt wird. Auf diese Art kann ein Probiotikum die gesunde Mundflora erhalten oder wiederherstellen und die körpereigene Abwehr stärken. Solche Probiotika enthalten in der Regel 6 bis 10 verschiedenen Bakterienstämme und sind für den Einsatz in der Parodontitis-Therapie in Form von Lutschtabletten erhältlich.

In der Praxis: Probiotika im Einsatz bei der Parodontitis-Therapie

Der behandelnde Spezialist für Parodontologie oder der Zahnarzt wird je nach Ausprägung der Parodontitis die passgenaue Therapie wählen. Mit der ergänzenden bzw. anschließenden Verabreichung der speziellen Probiotika wird dann das Immunsystem des Patienten gestärkt, so dass die Wiederansiedlung der schädigen Bakterien verhindert oder wesentlich erschwert wird. Zudem beeinflussen Probiotika die Wirtsabwehr, indem sie antimikrobielle Substanzen produzieren. So schaffen die Mikroorganismen im Mund- und Rachenraum ein gesundes bakterielles Milieu, einen "Schutzfilm". Allerdings muss gesagt werden, dass es bisher noch wenige Studien zur den genauen Wirkungsmechanismen dieser Probiotika gibt, jedoch ist deren Wirksamkeit bei vielen anderen Erkrankungen bereits wissenschaftlich erwiesen. Und die Praxis zeigt, dass die entsprechenden Probiotika für den zahnmedizinischen Bereich einen ähnlichen Nutzen haben. Insbesondere wird beobachtet, dass bei vielen Patienten eine deutliche Besserung der Blutung in den Zahnfleischtaschen eintritt.

Auch neuere in Schweden durchgeführte Studien bestätigen, dass bestimmte Bakterien dazu in der Lage sind, die Ausbreitung gewisser Parodontitiskeime zu hemmen. Sie unterstützen den Körper bei der Herstellung eines gesunden Gleichgewichts der Bakterien. Bei den Untersuchungen wurde der Lactobazillus reuteri eingesetzt – ein Keim, der als Probiotikum in Form von Lutschtabletten auf dem Markt ist. 

Die chemische Keule: Antibiotika nur in schweren Fällen

Wie oben bereits erwähnt, besteht die größte Gefahr bei der Einnahme von Antibiotika in der Bildung von Resistenzen der Krankheitserreger gegen Antibiotika. Dies geschieht schneller, als der Markt mit neuen, wirksamen Antibiotika reagieren kann. Auch bei einer Parodontitis sollte diese chemische Keule also nur zum Einsatz kommen, wenn es unbedingt erforderlich ist.

Genauso wie Probiotika bringen auch Antibiotika für sich alleine bei der Behandlung von Parodontitis keinen therapeutischen Nutzen, unterstützen also immer nur die eigentliche Therapie. Werden Antibiotika nach der Biofilmentfernung eingenommen, so ist der Erfolg deutlich sichtbar. Doch die Frage ist: Ist die Einnahme von Antibiotika bei einer normal ausgeprägten chronischen Parodontitis gerechtfertigt? Meine Antwort lautet: Meistens Nein! Denn die Keime sind bei dieser Ausprägung nur mäßig aggressiv und können fast immer mit der richtigen Therapie auch ohne Antibiotika eingedämmt werden.

Im Behandlungs-Mix auf Probiotika setzen!

Bei schweren parodontalen Erkrankungen, hartnäckig wieder aufflammenden Entzündungen oder Abszessen an den Zahnfleischtaschen und sehr aggressiver Parodontitis kann Antibiotika als unterstützende Maßnahme bereits zu Beginn der Therapie eine Wahl sein – der behandelnde Zahnarzt muss dies jedoch gewissenhaft entscheiden.

Handelt es sich nicht um einen akuten und schweren Fall von Parodontitis, sollte immer zunächst eine lückenlose Behandlung mit regelmäßiger Nachkontrolle erfolgen. Treten dennoch weiterhin Blutungen an den Zahnfleischtaschen auf und helfen auch Probiotika nicht, können Antibiotika den Therapieerfolg fördern. Als Instrument im Rahmen der Parodontitistherapie sollte Antibiotika allerdings nur in den wenigen Fällen eingesetzt werden, in denen es unabdingbar ist.

Die Antibiotikatherapie sollte in jedem Fall von einer Probiotika-Einnahme begleitet werden. Sie unterstützt den Organismus beim Wiederaufbau der Darmflora und des Immunsystems. Zudem können Probiotika die Wirkung anderer antibakterieller und entzündungshemmender Medikamente unterstützen.

Sollten Sie betroffen sein, so sprechen Sie die Problematik rund um die Antibiotika-Einnahme bei Ihrem Zahnarzt offen an. Vielleicht gibt es auch für Sie eine Alternative. In unserer Praxis für Parodontologie und Implantologie nahe München haben wir bisher mit der sanften Wirkungsweise der Probiotika ausschließlich gute Erfahrungen gemacht.

Ihr Dr. Marc Hinze

 

 

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